Der Prinz vom Jordan

Anne Hütter
1. Juli 2026

In der heiligen Nacht brachte ich aus dem Osten links das Licht und rechts einen alte Geschichte.

Hey, wie geht’s Euch? Sorry, dass ich letzte Woche gar nicht mehr geschrieben habe, aber ich war so beschäftigt.

Puh, echt krass. Aber jetzt bin ich ja wieder da.

Jo, Freunde und Freundinnen – das ist die klassische Player-Kommunikation.

So war es mit ihm, dem Prinz vom Jordan.

You're hot and you're cold

Ein Anfeuern, eine erhitzte Begierde wecken, ein Umschmeicheln meines Geistes und meiner Sinneslust obgleich seines wunderschönen Antlitzes und Körperbaus

...und dann:

*Grillengezirpe* über mehrere Tage.

Dabei hatte er so schöne Bilder vor meinem geistigen Auge gemalt.

Aber von vorn: Der Prinz vom Jordan und ich, wir trafen uns in einem Flugzeug.

Es war die Heilige Nacht und ich kehrte von einem Aufenthalt in der Türkei zurück. Der Flieger ging früh (5 Uhr deutsche Ortszeit) nach Deutschland zurück, die Sonne erschien hell und majestätisch über dem Bosporus und ich wurde gewahr, dass ich an diesem Weihnachtsmorgen 2025 das Licht direkt aus dem Osten in die Heimat brachte.

In Ermangelung einer festlichen Weihnachtsbaum- und Geschenke-Routine erklärte ich mich intern einfach kurz selbst zum Christkind.

Passend dazu schien mir die Sonne über die linke Schulter während ich beim Start hinaus blickte.

Ich hatte da noch nicht viel übrig für meinen Sitznachbarn.

Flug und Schrecken

Aber ich fühle mich bei Start und Landung in Flugzeugen grundsätzlich schrecklich unwohl. Das reicht bis hin zur soliden Panikattacke.

Fragt mal meine Freundin Anni, wie ich ihr dereinst den Unterarm zerkratzte, weil es ein Loch in der Luft gab.

Wenn ich neben Fremden sitze, entschuldige ich mich manchmal schon vorab. Dieses Mal nicht, ich war erfüllt vom Licht der güldenen Sonne.

Powered by the Sun, wisst ihr ja.

Und doch: beim Start machte sich meine Panik breit und mit einem zwischen den Zähnen ausgestoßenen „Fuck!“ versuchte ich meine Todesangst mit ausgestreckten Beinen in den Sitz zu drücken.

Der Heilige Gral aus Plastik

„Hey, willst du was trinken?“ drang eine sonore Stimme mit leichtem Akzent in mein rechtes Ohr und in mein Sichtfeld schob sich eine Plastikflasche. Ich war so übermüdet, dass ich nickte und zugriff.

- Uii, das aber, meine Lieben, war nicht der Heilige Gral sondern ein Geschenk einer meiner persönlichen Dämonen. Ich hätte es wissen müssen, aber es war Weihnachten und ich war allein.

Schon lange.

Seine Intelligenz jedoch, seine Schnelligkeit, seine Kreation und auch seine klassische Schönheit, sein Umgang mit der deutschen Sprache machten mich schwach. Aber nur bis Silvester.

Der Teufel hatte nochmal seinen besten Mann geschickt. Aber ich bin Profi.  

Sorry, ich greife vor.

Noch ein bisschen heiliger

In dem Moment fühlte ich mich umsorgt, wahrgenommen, aufgefangen, ja genährt. Und als ich genauer hinschaute, auch noch ein bisschen heiliger.

Das Wasser stammte nämlich aus dem Jordan. Der Jordan, liebe Leute, ist nicht einfach Wasser, der Jordan ist der heiligste Fluss der christlichen Mythologie– um mich war es geschehen!!!

Ein Zeichen!

„Hold me, like the river Jordan…“ - in meinem Kopf fing Michael Jackson samtweich an„Will you be There“ zu singen. Ihr wisst schon…

Angebibelt und ermattet

Angebibelt und ermattet, zerlegt von Weihnachtsblues,Einsamkeit und Schlafmangel öffnete sich in mir eine kleine feine Illusionswelt, der sich unser Prinz ganz wunderbar zurechtfand. Und so begann unser Spiel.

Er hatte bereits Details von mir studiert: meinen Chanel-Mantel, meinen Marken-Pulli, mein teures Parfum - das fiel mir später auf als ich das Puzzle final zusammensetzte.

Diese Details sind wichtig für Männer wie ihn. Er schmückt und belohnt sich mit Frauen. Nicht mit irgendwelchen, mit solchen, die Charme, Ambition und Geld verströmen.

Sie sind ihm eine Trophäe. Sie sind ja grundsätzlich auch schwer zu beeindrucken.

Aber er hat natürlich jede Menge zu bieten: mit Mitte 30 schon Experte auf einem seltenen Feld der Forschung, fünfsprachig, Professor an einer renommierten ausländischen Uni, in drei Ländern studiert, promoviert und bereits in der Wirtschaft viel Geld verdient.

Achiever-Anne jubilierte freudig neben Romänce-Anne: "Der Typ ist wie ich. Endlich ist er da!"

Wooow.

Fortsetzung folgt.