Königsmord - Die kalten Herrscher und ich

Anne Hütter
27. Mai 2026

Still im Kämmerlein arbeiten, damit einen keiner angreift? Ist nicht mehr. Ich bin hier und ich bin sichtbar, um Inspiration zu sein und Machtdynamiken aufzulösen. Bild: ChatGPT

Stillhalten für den guten Zweck?

Wohl oder übel musste ich bis hierher erkennen, dass ich einen bestimmten Typ Mann in fast allen Lebensbereichen manifestiert hatte: den kalten Herrscher.

Nach außen erweckt er den Eindruck von Schutz und Stabilität, doch im Hintergrund ist er gefühllos. Er erhält seinen Machtstatus durch Kontrolle und Manipulation. Sicherheit ist hier übrigens ein Trugschluss. Während die Fassade steht, erfriert die Empathin innerlich. Im Grunde, fühlt sie sich unterbewusst ständig bedroht.

Das Gift der Unsichtbarkeit

Für mich fühlte sich das so an, als würde ich ganz langsam ersticken. Ich spürte eine ansteigende Schwere, Lustlosigkeit, ja sogar Angst und Depression. Jegliche Farbe war aus meinem Leben gewichen. An Kreativität war nicht mehr zu denken. Ich verschwand in marineblau hinter Thermomix und Vorwerk-Staubsauger.

Mein unbewusster Schutzmechanismus lautete:

"Wenn ich nicht sichtbar bin, werde ich nicht angegriffen.“

Doch meine Seele will Sichtbarkeit. Das ist meine tiefste schöpferische Wahrheit. Letztendlich erlosch fast der göttliche Funke, der mich ausmacht. Ich erfüllte meinen Lebenszweck nicht mehr. Ich war leer gesaugt.

Und stetig winkt der Emperor

Nachdem ich diesen Zustand im Privatleben aufgekündigt hatte, zeigte er sich prompt in meiner Arbeit. Es endete mit einer Panikattackeim Büro. Ich kündigte.

Sogar in dem vermeintlich sicheren neuen Heim, das ich mir geschaffen hatte, tauchte das Muster wieder auf: Ein Nachbar wollte die Anzahl der Blumentöpfe vor meiner Tür reglementieren.

Der kalte Herrscher handelt nicht nur in großen Funktionen, so wie wir das auf der Weltbühne täglich serviert bekommen. Er zeigt sich besonders subtil in der banalen Kontrolle über den Alltag.

Spätestens, wenn er bestimmen will, was und wie viel in deinem Leben blühen darf, musst du raus da.

Das war der finale Abschluss eines Rollenspiels, von dem ich nicht einmal wusste, dass ich es spielte.

Woher zur Hölle kommen diese Dynamiken?

1. Identifikation mit dem Aggressor: Wenn wir früh lernen, dass Macht nur durch Unterdrückung funktioniert, übernimmt unsere Psyche die Stimme des Tyrannen. Wir sprechen mit uns selbst wie dieser „Herrscher“: ohne Mitgefühl, ohne Empathie. Wir zerlegen uns selbst, bevor es ein anderer tun kann. Das Patriarchat sitzt dann bereits im eigenen Kopf und es muss von außen gar nichts mehr tun. Katastrophe!

2. Das     Fehlverständnis von Schutz: Vielen Frauen wurde vermittelt, sie     müssten hart und kontrollierend sein und dürften nicht jammern und sich, jawohl auch in 2026, unterordnen.

„Männer sind nun mal so!“,

„Stell dich nicht so an!“

und „Du wolltest ja Kinder haben!“ sind großartige Sätze, die uns dann die toxische weibliche Seite noch serviert, damit wir uns einfach überhaupt nicht mehr um uns kümmern.

Selbst-Vernachlässigung als höchstes Gut der insbesondere deutschen Mutter - na, klingelt da was?

Du wirst hochfunktional und hast mit zusammen gebissenen Zähnen „Alles im Griff“.

Eigentlich tupperst du deine Seele ein und stellst sie in den Tiefkühler.

So furchtbar es auf dieser Welt an einigen Stellen auch aussehen mag: diese Bilder sind symbolhaft für das Ersterben dieser Herrscher-Mentalität. Sie muss nochmal laut und hässlich zu sehen sein, damit es nun wirklich auch Niemand mehr abstreiten kann.

Es sind die bewussten Frauen, die jetzt aufgefordert sind, die Blumentöpfe vor ihrer eigenen Haustür zu zählen und zu schauen, ob sie sie noch gießen können oder ob ihr Lebenssaft versiegt und sie das komplette Haus verlassen müssen.

Was tun?

Mein Lösungsansatz ist die Balance: Das starke Maskuline schafft Struktur und hält die Grenzen, damit das Feminine in dieser Ruhe kreieren und das Feuer für die Familie bewahren kann.

Fragt euch mal: wie sieht eurer innerer Maskulin denn so aus?

Seit ich dieses Muster identifiziert habe, verändert sich meine Realität: Ich ziehe keine Unterdrücker mehr an, sondern Menschen,mit denen ich gemeinsam baue, ohne dass mir die Luft abgedreht wird.

Ich erlaube mir jetzt selbst Schutz und Struktur, aber in einer wohlwollenden Energie. Ich habe quasi meinen ineneren Maskulin in Ordnung gebracht. Von innen nach außen, wisst ihr?

Ich will nicht hyper-unabhängig sein, aber das, was man mich über vermeintliche Sicherheit gelehrt hat, war eine gefährliche Lüge.

Hoppla: sie ist immer noch da!

Ich trete den Beweis an, dass man hohe wirtschaftliche und materielle Ziele in Liebe, Leichtigkeit und Erdung erschaffen kann, ohne Schlachten und ohne die Besetzung fremder Territorien, ohne die Ausbeutung Anderer für deren Ressourcen.

Die weibliche Kreativität erschafft stabilen, ehrlichen Reichtum und Fülle für alle. Sie ist die nährende Mutter. Sie steht stellvertretend für den Planeten Erde, wird sie ausgeblutet, geht es allen schlecht. Das ist nicht Führung, das ist ein ganz bescheidenes Narrativ, das es zu brechen gilt.

Aber das machen wir nicht sofort global sondern erstmal jede und jeder im eigenen Haus.

Wir lernen das gemeinsam und folgen denjenigen, die sich mutig und sichtbar hinstellen und ihre Kunst machen. So werden wir zu Inspiration und Motivation. Falsche Sicherheitsszenarien verlieren zunehmend ihre Berechtigung und die Menschen hören individuell auf, furchtbare Dynamiken zubedienen.