Rollin in the Deep – Dialog mit Gott & Genscher

Anne Hütter
17. März 2026

Gott sagt, ich soll nicht so schnell machen. Wir haben einen Kompromiss gefunden. Foto: Anne Hütter

Die Ausreise steht bevor 

Gott sagt: „Anne, ich bin heute zu dir gekommen, um dir zu sagen…“

Sofort taucht vor mir das Bild von Hans-Dietrich Genscher 1989 auf dem Balkon der Prager Botschaft auf. Gott und ich, wir lieben diese Insider. Er fährt ungerührt und staatsmännisch fort: „Du bist nicht Indiana Jones!“

Ich: „Aha, warum nicht? Der ist geil, findet Schätze und sexy ist er auch. Der Hut! Ich hab jetzt übrigens auch eine Lederjacke.“

„Hör mir zu!“, sagt Gott, leicht genervt.
„Indiana Jones ist ein Filmheld. Die brauchen keine Pause. Du schon. Du kannst alles sein nur nicht dauerhaft im Ausnahmezustand.“

Ich: „Hmm. Ja, stimmt voll. Ich bin ganz schön im Eimer gerade.“

Überleben als Flex 

Gott nickt. „Du hast die Eigenart, dir aus deinem Leben eine einzige Achterbahnfahrt zu bauen.“

Ich verziehe angestrengt das Gesicht. „Ja, ja, ja...schon tausend Mal gehört. Ich erschaffe mir meine Realität selbst.“

„Weißt du auch, warum du das machst?“

„Weil ich mich nur dann lebendig fühle.“

Gott seufzt. „Schön, dass du das inzwischen verstanden hast. Du musst nicht ständig ums Überleben kämpfen. Das ist kein Dauerauftrag.“

Ich nicke langsam. „Fühlt sich nur manchmal noch so an. Alte Reflexe.“

„Mag sein“, sagt Gott. „Aber sie sind alt und sie dienen dir nicht, wenn du dich weiter entwickeln willst.“

Kurze Pause.

Beständiges Explodieren 

„Was mache ich stattdessen?“, frage ich.

„Du entspannst dich“, sagt Gott. „Und wenn dann wieder etwas in dir hochkommt: Ideen, Feuer, dieser explodierende Stern in dir, der irgendwas erschaffen muss, dann gehst du los und machst deine Kunst.“

Mhm. Ich schweige. Dann sag ich: „Darum sind wir hier, oder? Um zu kreieren?“

Gott bestätigt: „Im besten Fall macht ihr das bewusst und mit Freude. Ihr erschafft die ganze Zeit.“

Ich: „Läuft nicht so mit der Menschheit, insgesamt, oder?“

Gott hebt abwehrend die Hände: „Ich bewerte nicht. Alles ist.“

In den unmöglichsten Momenten sieht Gott manchmal aus wie Yoda und nervt mich hart mit seiner Zen-mäßigen „Alles ist Energie“-Attitude.  

Gott mustert mich: „Du darfst dich dafür anerkennen, dass dein Herz wieder offen ist und deine Kreativität sprudelt. Das gelingt den wenigsten Erwachsenen. 

Au Backe, ein Schulterklopfer vom Schöpfer. Ja mega. Mehr davon, Anne! – denke ich – und ich weiß, dass er es hören kann. 

Is richtich 

Ich weiche seinem Blick aus. „Ja. I know, ich hab da so Entscheidungen getroffen. Vergeb' ich mir dann jetzt auch mal selbst. Ist jetzt rum. Nur mal so (ich hole meinen imaginären Zeigefinger raus und will damit Richtung Gott und die Welt zeigen): war aber auch keiner da, der mich mal kurz beiseite genommen hat und gefragt hat: Ist es das, was dein Herz wirklich will?“

„Doch“, sagt Gott trocken. „Du wolltest nur mit dem Kopf durch die Wand. Außerdem hättest du auf niemanden gehört.“

Ich rolle mit den Augen. „Is richtich.“

H2 Schmooves Sliden  

Dann werde ich ernst. „Sag mir nur eins: wirst du immer für mich da sein?“

Gott sieht mich an.

„Du gehst keinen Zentimeter allein“, sagt er. „Aber du musst gehen. Nicht rennen.“

Kurze Pause.

„Du kennst den Satz deiner Mutter: Nicht immer mit Anlauf.“

Ich nicke und dann sag ich: "Inliner? Kann ich so schmoove durch mein Leben sliden?"

"Kannst du damit bremsen?" antwortet Gott ungerührt. Ich zucke mit den Schultern: "Noch nicht. Kann man ja lernen."

Keep on rollin’baby!  

Also gut“, sagt Gott. „Geh aus mein Herz und suche Freud, erlebe Abenteuer. Aber nimm dir Pausen und genieße die Früchte deiner Arbeit. Behandle dich zwischendurch so, als wärst du deine eigene Mutter und umsorge dich. Wie willst du das Tempo sonst halten?

Und noch was: „Du wirst mich sehen in allem, was ist. Du wirst Gefährten und Gefährtinnen haben, sichtbare und unsichtbare. Lerne zu empfangen."

In meinem Kopf startet Limp Bizkit’s “Rollin‘” und ich kann nicht anders: 

„Alright, partner
Keep on rollin', baby
You know what time it is

Gott: „Langsam und beständig, ok?“, ruft er mir noch hinterher. Aber ich bin schon los, hatte ne neue, wilde Idee.