Die Kriegerin im Garten

Jahrelang habe ich das Schwert gezogen, sobald jemand mit dem Küchenmesser winkte. Das hielt ich für Stärke. Bis ich verstand, was Konflikte wirklich aushungert und warum ich heute Kriegerin im Garten bin statt Gärtnerin im Krieg.
Nicht jedes Küchenmesser taugt zum Schwert
Leben heißt Kampf. Überlebenskampf. Das hat mir meine Muttererklärt, und meine Oma hat schon so ein Leben geführt. Schwere, Härte, Arbeit,Verausgabung, Einsamkeit.
Wenn du so groß wirst, hast du das automatisch im Blut. Unddu hältst es für Stärke.
Auch sehr beliebt „Jeder stirbt für sich allein.“
Wow, kann es denn noch kälter werden? Ich glaube nicht. Intern schützte ich mein von Natur aus sonniges Gemüt mit Handschuhen und Ohrenschützern. Und zog mir alles ins Feld, was diese Ausstattung auch nötig machte.
Kalte Beziehungen, Herzlosigkeit.
Wenn du kein Vertrauen in die Welt hast, hat die Welt kein Vertrauen in dich.
Gegner und Gegnerinnen tauchen auf. Sie begleiteten mich bis ich 40 Jahre alt war.
Jedes Mal das Schwert kampfbereit erhoben, wenn nur jemand mit dem Küchenmesser winkte.
Es ist unfassbar erschöpfend, ein solches Leben zu führen.Das dicke Fell, die breiten Schultern sind keine Auszeichnung, sondern eine verdammte Last.
Ich habe sie abgelegt, ganz zu schweigen von den klaffenden Wunden, die jede Auseinandersetzung hinterließ.
Wie willst du dir auf diese Weise und mit diesen Gedanken und Schmuddelfeldern ein Leben bauen, das du liebst?
Du bist so mit Schwertkampf beschäftigt, dass du das Leben gar nicht genießen kannst. Das schöne Kleid, den Wein im Sonnenuntergang. Den Frieden in deinem Haus, in deinem Garten.
Dein Garten ist ein Schlachtfeld, schon gar nicht mehr zu erkennen. Du hast Hinz und Kunz eingeladen, da drin Rambazamba zu veranstalten, denn du machst ja mit bei dem Spektakel.
HausFRIEDENSBruch
Ich auch. Ich nährte diese Konflikte und den HausFRIEDENsbruch, indem ich ihnen meine Aufmerksamkeit schenkte. Ich verschickte Sprachnachrichten an fünf verschiedene Freundinnen und schilderte Lappalien über Begebenheiten mit Anderen.
Jedes Freundinnen-Treffen wurde eine Kaffeerunde, bei der die Feinde und Feindinnen mit am Tisch saßen. Und ich mittendrin:
„Seht her,welche Kraft ich aufbringen muss. Seht her, wie gemein die Welt ist. So seht mich doch, was man mir immerzu antut!"
Davon wurden sie immer größer. Ich hatte mir in jedem meinerLebensbereiche mindestens eine kriegerische Partei manifestiert.
Damit das klar ist: Verrat, Vertragsbrüche, Hässlichkeiten und Verletzungen gab es zuhauf in meinem Leben.
Das habe ich mir nicht ausgedacht. Nur habe ich sie noch viel größer gemacht.
Sie waren genau dafür da, folgendes zu verstehen:
Energie wegnehmen, verhungern lassen, Schlachten gern auch an Expert:innen outsourcen: Anwälte, Therapeuten. Um die schweren Fälle kümmern sich jetzt Andere. Ich bin raus.
Herz offen trotz der Narben
Wahre Stärke bedeutet, die Wunden anzuerkennen und das Herz trotzdem offen zu halten.
Olé. Mein neues Haus, mein innerer Friede. Ich kann Kunst machen und hübsch aussehen. Empfangend in meinem plüschigen Lotus-Sitz residieren oder auf meinem blauen Samtsofa sitzen und meine Katzen streicheln.
Kein Machtkampf, Leute, Soft Girl Era.
Es ist jetzt Ruhe. Die Orden aus der Schlacht habe ich bei Vinted verkauft.
Die Idee von Isolation oder das „Jeder kämpft für sichallein“ ist eine Falle des Teufels. Wir sind Menschen und leben in einer Gemeinschaft. Man darf sich nicht abwenden, allein auf dem Sofa, das Hirn in einen Bildschirm gesaugt.
Mein Tipp: Guck dir halt genau an, mit wem du dich verbindest.
Menschen, die mit dir in deinen Schmuddelfeldern baden?
Oder doch lieber diejnigen, mit denen es leicht ist, mit denen man so lacht, das man weinen muss und der Bauch weh tut?
Tauchgang im Schlamm?
Der Vorteil, wenn man so viele Bahnen wie ich in Schlammbecken gezogen hat:
Ich erkenne jetzt schnell, wer mir nur mal wieder einen Tauchgang anbietet und wer mit mir kindliche Leichtigkeit, Neugier und Kreation will.
Ich finde es zum Beispiel mega stark, wenn jemand in einer Partnerschaft einen großen Verlust erlitten hat und sich trotzdem wieder öffnet. Und hier ist jede Form von Partnerschaft gemeint: Liebe, Job, Business…
Das Misstrauen ins Leben habe ich weitestgehend abgelegt. #
Denn Misstrauen ins Leben bedeutet auch Misstrauen in sich selbst und seine Fähigkeiten.
Spätestens seit einem halben Jahr sehe ich meinen Erfolg. Erfolgserlebnisse haben mich stark gemacht, mein Vertrauen wieder aufgebaut. Es hat Jahre gedauert, bis das soweit war.
Dem Leben und sich selbst zu vertrauen
Stark ist nicht, jede verdammte Schlacht zu schlagen und blutig auf einem Schlachtfeld dazustehen – und dann auch noch allen davon zuerzählen.
Stark ist, abzuwägen. Abstand zu halten. Sich nicht blind und wütend da reinzuschlagen. Akte auf, Schriftsatz verfassen, Akte zu. Schrank zu, den Dingen seinen Lauf lassen.
Ich war eine Gärtnerin im Krieg. Jetzt bin ich eine Kriegerin im Garten.
Wenn es eine Schlacht zu schlagen gibt, wäge ich ab.
Muss ich selber ran?
Kann ich sie outsourcen? Oder lohnt der Aufwand sich überhaupt nicht, und da winkt nur mal wieder jemand mit dem Küchenmesser von hinterm Gartenzaun.
Da kann derjenige gern weiter stehen und winken.
Ich drehe mich wie meine Sonnenblume der Sonne zu, so fällt der Schatten hinter mich.





